Miesmuschelmonitoring
Miesmuschelmonitoring im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Seit 1998 kartieren wir im Auftrag des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein – Nationalparkverwaltung die Miesmuschelbänke auf den trockenfallenden Watten. Die Arbeiten erfolgen im Rahmen des Trilateral Monitoring and Assessment Program (TMAP). Auch in den anderen Gebieten des Wattenmeeres zwischen Esbjerg (DK) und Den Helder (NL) finden ähnliche Langzeituntersuchungen statt.
Bestandteil der Untersuchungen sind GPS-gestützte Kartierungen der Muschelbänke im Watt, bei denen Muschelproben genommen und verschiedene Parameter erfasst werden. Ergänzt werden diese Daten durch die GIS gestützte Luftbildinterpretation. Spezielle Fragestellungen betreffen die Ansiedlung von Muschellarven, die Zusammensetzung der Begleitfauna und die Ausbreitung der Pazifischen Auster auf den Muschelbänken.
Rückgang der Miesmuschel – Zunahme der Pazifischen Auster
Die Fläche der Miesmuschelbänke im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist rückläufig und erreicht derzeit die niedrigsten bisher bekannten Werte. Während es 1988 etwa 1500 ha waren, konnten 2008 nur 583 ha erfasst werden. Davon sind rund 283 ha als Miesmuschelbank und 300 ha als Austernbank einzustufen (basierend auf der dominierenden Biomasse, Lebendnassgewicht). Damit setzt sich die Flächenzunahme durch die Ausbreitung der Pazifischen Auster (Crassostrea gigas) fort.
Austern
Pazifische Austern werden seit 1986 im Nordsylter Wattenmeer kommerziell kultiviert. Seit 1991 werden zunehmend Austern sowohl auf eulitoralen Miesmuschelbänken als auch an weiteren festen Strukturen wie Steindeichen und Molen der Inseln, Halligen und an der Festlandsküste festgestellt.
Die Ausbreitung hat ihren Ursprung im Lister Tief und schritt südwärts vor; seit 2003 ist auch die Einwanderung aus Westen dokumentiert, die ihren Ursprung in der Oosterschelde hat. Ausbreitung und Bestandsentwicklung der Pazifischen Auster sprechen dafür, dass Austern nicht die Bestandsrückgänge der Miesmuscheln verursachen und es sich um eine Verdrängung handelt, sondern dass die Verschiebung des dominierenden Habitatbildners von der Miesmuschel zur Pazifischen Auster wesentlich durch geänderte klimatische Bedingungen gefördert wird.
WRRL und Miesmuschelbänke
Vor dem Hintergrund der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) müssen die Mitgliedsstaaten der EU bis 2015 einen guten ökologischen Zustand ihrer Gewässer erreicht haben. Dies schließt die Deutsche Küste mit dem Wattenmeer ein. Obwohl die WRRL die biologischen Qualitätskomponenten für eine Bewertung fest definiert, werden weitere Strukturparameter von Miesmuschelbänken als wichtige Ergänzungen für eine umfassende Bewertung der Küstengewässer angesehen. Unser Bericht stellt einen Ansatz zur Bewertung der Miesmuschelbänke im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer im Rahmen der WRRL vor und betrachtet auch die Übertragbarkeit der Bewertung im Sinne der FFH-RL.
Dabei werden in einem Schritt verschiedene Parameter des Miesmuschelmonitorings auf ihre Eignung für die Bewertung überprüft und Referenzwerte bestimmt. Der zweite Schritt beinhaltet die Bewertung des Makrozoobenthos der Miesmuschelbänke mithilfe des Bewertungstools MarBIT, welches ursprünglich von MariLim, Kiel (Meyer et al. 2008) für die Ostsee entwickelt wurde.
Der entwickelte Bewertungsansatz basiert auf vier Strukturparametern und die Anwendung des Tools MarBIT ist vielversprechend, so dass eine umfassende Bewertung der Miesmuschelbestände für die WRRL und auch FFH-RL möglich ist.
Quality Status Report 2009
Seit 1978 kooperieren die drei Anrainerstaaten des Wattenmeers, Dänemark, Deutschland und die Niederlande, um das Wattenmeer als ökologische Einheit zu schützen. Auf Basis der 1982 verabschiedeten “Gemeinsamen Erklärung zum Schutz des Wattenmeeres” und der Beschlüsse der trilateralen Regierungskonferenzen, haben die drei Mitgliedsstaaten 1997 einen trilateralen Wattenmeerplan aufgestellt, der die gemeinsamen Schutzziele für das Wattenmeer sowie die Grundsätze für ein gemeinsames Management enthält. Zur Erreichung dieser Ziele wurden diverse gemeinsame Projekte und Maßnahmen entwickelt. Dabei stellt das Trilaterale Monitoring- und Bewertungsprogramm (TMAP) das Hauptelement für die Bewertung der Umsetzung und Erfolge der ergriffenen Maßnahmen dar. Detaillierte Berichte über die Ergebnisse des TMAP und den ökologischen Zustand des Wattenmeeres liefert der regelmäßig aktualisierte Statusbericht (Quality Status Report, kurz QSR). Der neueste Bericht wurde zur 11. Trilateralen Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres, die im März 2010 auf Sylt stattfand, fertig gestellt.
Ein Element des TMAP ist das Monitoring der eulitoralen Miesmuschelbestände. Nach starken Bestandsrückgängen in den 1980er und 1990er Jahren, wurde in wesentlichen Teilen des Wattenmeeres die Fischerei verboten. Das Miesmuschelmonitoring zeigt, dass sich seither die Muschelbestände im östlichen Wattenmeer der Niederlande regeneriert haben, während im westlichen Teil keine Erholung statt fand. Im Gegensatz dazu weisen die Muschelbestände in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Dänemark nach wie vor eine stetige Abnahme auf. Ein erhöhter Prädationsdruck, bedingt durch den fortscheitenden Klimawandel, scheint die Hauptursache für den ausbleibenden Rekrutierungserfolg der Jungmuscheln zu sein, aber auch andere Faktoren und Interaktionen wie Detrophierung oder Einflüsse der Pazifischen Auster kommen in Frage und werden weiterhin untersucht.
Im Gegensatz zu den Miesmuschelbeständen breitet sich die eingeschleppte Pazifische Auster (Crassostrea gigas) aus, da sie von der stetigen Klimaerwärmung profitiert. Wo anfänglich nur einzelne Individuen gesichtet wurden, bildet sie heute mitunter dichte Bestände auf früheren Miesmuschelbänken.
Das Wissen über die Ökologie natürlicher sublitoraler Muschelbänke ist nur begrenzt. Generell scheinen sublitorale Muschelbänke vielfältiger zu sein als eulitorale Vorkommen.
Lesen Sie dazu das Kapitel “Beds of blue mussels and Pacific oysters” im QSR 2009:
http://www.waddensea-secretariat.org/QSR-2009/11-Blue-mussel-beds-%2810-01-26%29.pdf
Auf den Seiten des CWSS finden Sie auch das Kapitel “Intertidal Blue Mussel Beds” aus dem QSR 2004:
http://www.waddensea-secretariat.org/QSR/chapters/QSR-08.3-intertidal-musselbeds.pdf